HDTV Tuner und Receiver im Test

Schon lange leben wir in einem Alltag der Abkürzungen. Knackige Buchstabenkombinationen sind allgegenwärtig und erklären scheinbar die Welt. Längst nicht alles, was Jahr für Jahr Einzug in unseren Sprachgebrauch und die tägliche Medienwirklichkeit hält, ist aber wirklich greifbar und verständlich, denn oft bekommt es lange kaum ein Mensch zu sehen. So verhielt es sich auch mit den Verheißungen schöner, neuer Fernsehwelten: HD und HDTV.

HD-Ready Logo

Kurz nach der Jahrtausendwende beherrschten die neuen Fernsehgeräte bei den Händlern plötzlich HDReady, was aber zunächst etwas unterging, denn die eigentliche Sensation waren die TV-Geräte selbst – sie waren nun keine riesigen Kästen mehr, sondern flach und ließen sich wie ein Bild an die Wand hängen. Die Aufregung legte sich bald, als die neuen Gerätegenerationen den Markt übernahmen und allgegenwärtig wurden. HDReady war schnell nicht mehr Gütesiegel erster Wahl, sondern musste sich von FullHD den Rand ablaufen lassen. Viel schickes, neues Design und Eleganz bei den Geräten, aber die Wirklichkeit auf dem Bildschirm sah aus wie immer – am Anfang sogar noch etwas unschärfer, denn die ersten Flachbildfernseher konnten längst nicht mit der Bildqualität alter Röhrenmodelle mithalten.

Wo war nun das HD geblieben? Wer hatte High Definition, die hohe Auflösung, die detailreichen Bilder in brillianten Farben zu bieten? Das breite Fernsehpublikum in Deutschland bekam die schöne, neue Fernsehwelt lange nicht zu sehen. Nur einigen Pay-TV-Kunden war der hochauflösende TV-Genuss schon regelmäßig zugänglich und die einzelnen, frei empfangbaren HD-Sender auf dem Astra-Satelliten sendeten an der großen Öffentlichkeit vorbei. Wenige Menschen konnten erleben, was dieser Tage endgültig in Deutschland ankommt: Fernsehen in einer neuen Dimension, Fernsehen in High Defintion – HDTV.

Diese neue Fernsehwelt ist gekennzeichnet von einer bisher unbekannten Bildauflösung und -schärfe, satten und kontrastreichen Farben, detaillierten Bildern mit Live-Charakter statt TV-Unwirklichkeit, echtem 16:9-Format und Dolby-5.1-Sound für die klangliche Ergänzung der Bildgewalt.

Auch in den bunten Fernsehwelten gibt es ein Stück graue Theorie

Vergangenheit und immer noch Gegenwart des TVs in Deutschland werden durch PAL symbolisiert. Mit dem offiziellen Startschuss 1967 hat PAL das Fernsehen der zweiten Generation hierzulande eingeläutet. Das wesentliche Charakteristikum des Standards stellt die automatische Farbkorrektur dar, die einen sichtbaren Vorsprung in der Bildqualität gegenüber dem, in den USA, Kanada und Ostasien verbreiteten, NTSC-System liefert. Als sich in den 80er Jahren eine digitale Zukunft am Horizont der analogen Welt abzeichnete, wurden dies- und jenseits des Atlantiks erste Überlegungen und Entwicklungen hin zu einer neuen Fernseh-Generation angestoßen. Die europäischen Bemühungen endeten im MAC-Standard ziemlich erfolglos und schnell, wogegen in den USA der Grundstein für HDTV gelegt wurde. Damit war der Weg frei für die dritte TV-Generation und die sollte in High Definition – hochauflösend – entstehen.

Die verschiedenne Auflösungen bei HDTV

Full HD Logo

Die hohe Auflösung ist das entscheidende und namensgebende Merkmal von HDTV, welches sich mittlerweile in zwei verschiedenen Standards verbreitet hat, die die Bezeichnungen 720p und 1080i tragen. Dabei leiten sich die Zahlen von den dargestellten Zeilen auf dem Bildschirm ab und ein Vergleich mit den 576 PAL-Zeilen deutet bereits die gestiegenen Darstellungsmöglichkeiten an. Noch gravierender geraten die Unterschiede zum PAL-Bild bei den dargestellten Linien, so dass 720p am Ende eine 2,2-fache PAL-Auflösung erreicht und 1080i das alte Bild sogar um das 5-fache in puncto Auflösung übertrifft. Ein natives Seitenverhältnis von 16:9 bringen beide Formate mit.

Wofür stehen die Kürzel p und i bei HDTV?

In den angefügten Kürzeln "p" und "i" schreibt sich eine Entwicklung aus den Kindertagen des Fernsehens auch in der HD-Zukunft fort. Das „p“ steht für „progressive“ und meint die Vollbilddarstellung, wogegen mit dem „i“ für „interlaced“ das Zeilensprungverfahren oder der Halbbildmodus umschrieben wird. Mit dem Zeilensprungverfahren wurde schon zu Beginn des Fernsehzeitalters versucht, gute Bildqualität mit möglichst geringer Übertragungskapazität auf die TV-Geräte zu bringen. Das zeitversetzte Senden von Halbbildern verbraucht entsprechend nur die Hälfte an Übertragungsbandbreite, wobei im Auge des Betrachters durch hohe Bildwiederholungsraten des Fernsehers nur ein einziges Bild wahrgenommen wird. Alte Röhren-TVs hatten mit der Darstellung keine Probleme, die ersten LCD- und Plasma-Schirme jedoch schon, sind sie doch bauartbedingt ausschließlich auf Vollbilder ausgelegt. Daher rührt auch der Eindruck, dass ältere Flachbildschirme eher ein schlechteres Fernsehbild wiedergeben als ihre klobigen Vorgänger, denn die Umrechnung von Halb- zu Vollbildern verlief anfangs mit einigem Qualitätsverlust. Allerdings haben alle Hersteller hier sehr viel Entwicklungsarbeit geleistet, um gerade die Darstellung von TV-Bildern deutlich zu verbessern. Aber auch im digitalen und hochauflösenden Zeitalter bleiben die Bandbreiten bei der Übertragung ein Nadelöhr, insbesondere wenn nun für nur eine Sendung noch mehr Bilddaten und die zusätzlichen Surround-Sound-Informationen gesendet werden müssen. Daher lebt das Halbbildverfahren auch in der Moderne weiter und wird von fast allen derzeitigen HD-Anbietern genutzt.

HDTV in Deutschland

HDTV in Deutschland

In Nordamerika und Ostasien hat sich die hochauflösende TV-Welt schon seit einigen Jahren etabliert, was den verschiedensten Ursachen geschuldet ist: im technikaffinen Asien werden neue Entwicklungen in der Unterhaltungselektronik traditionell mit großer Begeisterung aufgenommen, die USA hatten die Weiterentwicklung des Fernsehens sogar per Gesetz vorgesehen und beiden Regionen gemeinsam war der Wunsch, das qualitativ mäßige Fernsehen im NTSC-Format hinter sich zu lassen. Entsprechende TV-Geräte haben sich dort und hier in den letzten Jahren zum dominierenden Verkaufsschlager entwickelt, allerdings war das Angebot entsprechender Programminhalte hierzulande bisher eher eine Randnotiz der Fernsehwelt.

Das Jahr 2005 markierte den inoffiziellen Startschuss für HDTV in Deutschland und verschiedene Sender lancierten erste Programme.

Einer der Vorreiter ist seitdem der Bezahlsender Sky, ehemals Premiere, der einst mit drei Kanälen und einem Film-, Dokumentations- und Sportangebot die Fernsehzukunft gegen Entgelt eingeläutet hat. Das Angebot wurde einige Male modifiziert und umfasst heute sogar sieben hochauflösende Kanäle, welche wiederum das bekannte Angebotstrio aus Film, Sport und Dokumentationen umfassen. Seit 2009 gehört auch Eurosport HD zum Angebotspaket, allerdings nur für Kabelkunden des Senders. Via Satellit werden lediglich sechs Programme übertragen. Einspeisungen bei Kabel Deutschland und KabelBW erlauben eine hohe Reichweite und der Zugriff auf die Astra-Satelliten ist ohnehin bundesweit möglich. Sky liefert einen Großteil seines Programmangebots in nativer HD-Qualität, also bereits hochauflösend produzierten und nicht künstlich hochgerechneten Inhalten. Die Erweiterung des Senderangebots ist zu erwarten und zusätzliche Kanäle im Dokumentations- und Sportbereich könnten schon bald das HD-Paket bereichern.

Ebenfalls 2005 starteten Pro7 und Sat1 ihre hochauflösende Programme via Satellit, die zunächst 2008 wieder eingestellt wurden. Erst Anfang 2010 sind die beiden Sender mit einem hochauflösenden Vollprogramm zurückgekehrt und bilden nun mit den Sendern RTLHD, VoxHD und Kabel1HD das Angebot HD+. Das Paket ist zunächst für 12 Monate gratis über Astra-Satellit mit speziellem Receiver empfangbar, eine Verlängerung um ein weiteres Jahr schlägt dann mit 50 Euro zu Buche. Auch hier werden immer mehr Programminhalte speziell für HDTV produziert, die restlichen Sendungen werden entsprechend konvertiert. Alle Sendungen werden im 1080i-Modus ausgestrahlt und auch der Einzug in die deutschen Kabelnetze erscheint nicht ausgeschlossen, da sich einzelne Angebote von RTLHD und VoxHD beispielsweise bei TeleColumbus bereits finden. Obwohl HD+ de facto ein Bezahlfernsehen darstellt, erhält der Zuschauer hier teilweise nur sehr eingeschränkte Nutzungsrechte bei der Aufzeichnung und späteren Verwendung von Programminhalten, was dem, von den Privatsendern initiierten, System einige Kritik eingetragen hat.

Der kleinere Sender Anixe HD ist seit 2006 mit einem Vollprogramm aus Filmen, Serien und Magazinen frei über Satellit und teilweise auch im Kabel empfangbar und bietet ferner auch gelegentliche Sportübertragungen. Neu seit Ende 2009 ist der österreichische Privatsender Servus TV HD, der allerdings ausschließlich via Satellit zu empfangen ist.

Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten haben ihre hochauflösende Premiere dem Kulturkanal arte überlassen, welcher seit 2008 ein HD-Programm kostenlos über Astra-Satellit ausstrahlt. Im Februar 2010 folgten dann Das Erste und das ZDF, pünktlich zu den Olympischen Winterspielen in Vancouver, mit den HDTV-Varianten ihres Vollprogramms. Diese sind in den großen Kabelnetzen und über Satellit kostenfrei und unverschlüsselt zu empfangen. Auch hier werden eigens für High Definition produzierte Inhalte noch mit herkömmlichen, aber hochkonvertierten Programmen gemischt. Der Regelbetrieb weiterer Kanäle, wie derzeit EinsFestival, kündigt sich an. Als Besonderheit ist zu vermerken, dass sich beim kompletten Programmangebot für die Übertragung im Vollbildverfahren 720p entschieden wurde. Damit folgen ARD und ZDF einer Empfehlung der EBU, der European Broadcasting Union, die dieses Format bezüglich der Bildqualität favorisiert.

Der beliebte Sportsender DSF wird im Rahmen seiner konzeptionellen Umgestaltung ebenfalls bald mit einem eigenen HD-Angebot aufwarten, dessen Details allerdings noch unbekannt sind. Auch der, federführend vom ZDF betriebene, Kulturkanal 3sat hat bereits hochauflösende Pläne in der Schublade liegen, deren Realisation allerdings erst nach 2010 zu erwarten ist.

Über das Internet bieten einige Provider in Verbindung mit den schnellen VDSL-Varianten ebenfalls HDTV und digitales Fernsehen an. Dabei werden teilweise die frei empfangbaren HD-Sender zur Verfügung gestellt oder spezielle Film- und Sportangebote gegen Aufpreis angeboten.

Mit dem Jahresbeginn 2010 hat das hochauflösende Fernsehen in Deutschland einen nachhaltigen Schub erfahren und dem flächendeckenden Durchbruch steht prinzipiell nichts mehr im Wege. Allerdings sind die Sender nur das Eine – auch am anderen Ende, bei den Empfängern beziehungsweise den Fernsehhaushalten, will HDTV vorbereitet sein.

Was benötige ich für HDTV?

Herzstück für den hochauflösenden TV-Genuss ist natürlich der Fernseher selbst. Obwohl die Flachbildfernseher schon einige Jahre die Verkaufsstatistiken deutlich dominieren, gibt es noch immer viele Haushalte mit herkömmlichen und meist älteren Röhrengeräten. Diese Geräte sind für den TV-Empfang in High Definition nicht geeignet; neue Modelle sind kaum noch erhältlich und Röhrenfernseher mit HD-Eignung gibt es ausschließlich in Ländern, die schon zum HDTV-Regelbetrieb übergegangen sind. Somit bedarf es also eines Gerätes mit LCD- oder Plasmadisplay, wobei die LCD-Geräte in der Käufergunst deutlich vorne liegen. Für ein größer dimensioniertes Heimkino eignen sich auch verschiedene Beamer-Modelle, um hochauflösende Bilder auf die eigene Leinwand zu projizieren.

Ein geeignetes TV-Gerät sollte mindestens das HDReady-Logo tragen, um die Tür zur HDTV-Welt zu öffnen. Solche Geräte weisen eine Darstellbarkeit von mindestens 720 Zeilen auf und können Signale im Vollbildmodus 720p und im Halbbildmodus 1080i darstellen, wobei letztere allerdings auf die geringere physikalische Auflösung umgerechnet werden müssen. Gerade bei kleineren Bildschirmdiagonalen ist dieser Umstand jedoch für die meisten Betrachter nicht zu erkennen. Die Wahl eines Fernsehers mit dem FullHD-Logo gewährleistet zumindest die volle, physikalische HD-Auflösung von 1920×1080 Bildpunkten. Da einige Hersteller mitunter recht kreativ und wenig einheitlich mit derartigen Bezeichnungen umgegangen sind, wurden auch für die Geräte mit der vollen HD-Auflösung Logos mit entsprechenden Mindestanforderungen entwickelt: HDReady1080p und HDTV1080p für Geräte mit eingebautem HD-Tuner für Satellit oder Kabel.

Wie empfange ich HDTV?

Ein Empfangsgerät oder Receiver mit HD-Tuner ist in jedem Fall erforderlich, um die neue Fernsehwelt auf den eigenen Bildschirm zu bringen und die speziellen Videosignale zu verarbeiten. Solche Geräte gibt es für die beiden Empfangsarten Kabel ( DVB-C ) und Satellit ( DVB-S ). Beim digitalen, terrestrischen Antennenfernsehen ( DVB-T ) ist HDTV zur Zeit lediglich eine theoretische Option und Testausstrahlungen sind erfolgreich absolviert, aber noch hat kein Sender konkrete Pläne für eine hochauflösende Verbreitung auf diesem Weg vorgelegt.

HD Fernsehen empfangen

Gerade Kabelkunden bekommen von ihrem Netzbetreiber in der Regel eigene, bereits optimierte Geräte mit HD-Tuner zu günstigen Konditionen angeboten. Wer ein vorhandenes Alt-Gerät nutzen möchte oder sich für die

Anschaffung eines technisch leistungsfähigeren Modells entscheidet, sollte dabei die Ausstattung mit ausreichenden CI-Slots berücksichtigen. Über diese Slots oder auch Einschubplätze können verschiedene Smartcards installiert werden, welche die Betreiber zur Entschlüsselung ihres Programmangebots herausgeben. Einige Receiver-Modelle sind auch bereits für spezielle Verschlüsselungssysteme vorbereitet, haben einen eigenen Smartcard-Leser oder sind für den PayTV-Anbieter Sky optimiert.

Auch die Nutzer von Internet-Fernsehen mit HD-Sendungen über VDSL finden bei ihrem Provider ein Angebot von speziell angepassten Set-Top-Boxen zum Kauf oder zur Miete.

Wer sich für das Bezahlangebot von Sky entschließt, wird dort ebenfalls direkt mit einem Receiver inklusive HD-Tuner für Kabel oder Satellit versorgt. Beide Varianten eröffnen zusätzlich den Zugriff auf ein großes, frei empfangbares digitales Programm-Bouquet und auch die unverschlüsselt ausgestrahlten HD-Programme anderer Anbieter. Bei der Nutzung beziehungsweise Anschaffung anderer Geräte gilt es auch hier, die Eignung für das Sky-Verschlüsselungssystem zu beachten oder einen entsprechend zertifizierten Receiver auszuwählen.

Für die Versorgung mit hochauflösendem Fernsehen via Satellit ist ebenfalls ein spezieller Receiver mit HD-Tuner nötig, der die neuen Videosignale entsprechend verarbeiten kann. Sofern die vorhandene Technik, wie Schüssel und insbesondere LNB, bereits für digitales Satellitenfernsehen geeignet ist, bedarf es hier keiner weiteren Um- oder Aufrüstung. Die Angebotspalette an HD-fähigen Receivern ist gerade in diesem Bereich sehr groß und kommt Einsteigern und anspruchsvollen Konsumenten gleichermaßen entgegen. Eingebaute Festplatten zur Aufzeichnung oder zwei Tuner zum gleichzeitigen Ansehen eines Programmes und Aufnahme einer weiteren Sendung etablieren sich immer mehr als Standard-Ausstattung der Geräte. Für die Nutzung des hochauflösenden Fernsehens der RTL-Gruppe und von ProSiebenSat1-Media wird ein HD+ kompatibler Satelliten-Receiver benötigt, dem die entsprechende Smartcard mit Freischaltung für 12 Monate bereits beiliegt. Auch für Sky werden derartig vorbereitete Geräte angeboten. Ein vorhandenes CI- oder CI-Plus-Modul kann auch hier für diese Programmpakete genutzt werden oder bietet Flexibilität und Zukunftssicherheit für kommende HDTV-Angebote.

Wenn ohnehin gerade die Anschaffung eines neuen Fernsehers ansteht, können neue TV-Modelle mit bereits integriertem Empfänger und HD-Tuner für Kabel oder Satellit zur interessanten Alternative werden. Dem Wohnzimmer bleibt so ein zusätzliches Gerät und neuer Kabelsalat erspart. Für die Nutzung von verschlüsselten Angeboten und Bezahlfernsehen ist auch hier ein CI-Einschub von Vorteil, um auch zukünftig eine hohe Flexibilität bei den Nutzungsmöglichkeiten zu gewährleisten.

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